Remote-Interviews aufzeichnen – für Podcast, Radio & Co.

Ich hatte nicht gedacht, dass die Recherche und das Ausprobieren zum Themenkomplex Remote-Interviews so umfangreich sein würde, als ich begann, mich für unsere Podcasts “Die Seriensprechstunde” und “Systemrelevant” mit Lösungen für das entfernte Aufzeichnen von Interviews zu beschäftigen. Hier also ein paar Erkenntnisse und Tools, die einem die Aufnahme erleichtern können:

Meine Wahl: Studio-Link

Mein Werkzeug der Wahl ist Studio-Link. Studio Link ist ein Dienst, der geräte- bzw. plattformübergreifend Gespräche ermöglicht, sowohl für den Live-Betrieb (z. B. für Podcasts) als auch für die Aufzeichnung von Gesprächen. Der Dienst fußt auf Voice-over-IP-Telefonie und bietet als Standalone-Lösung eine browserbasierte App an, in der verlustfrei die Spuren diverser Gesprächsteilnehmer einzeln separiert voneinander verlustfrei aufgezeichnet werden können.

Für mich der Clou: Es genügt ein VoIP-Anschluss oder eben auch eine VoIP-App für iOS oder Android bzw. ein Computer mit Mikrofon, um hochwertige Audiodateien zu erzeugen. Bei unseren Aufzeichnungen versuchen wir nach Möglichkeit, dass alle Teilnehmer jeweils eine eigene Studio-Link Instanz für die Sendung nutzen und jeweils lokal ihre Spur aufzeichnen, damit wir für den Fall von Verbindungsunterbrechungen mindestens eine Backup-Lösung haben. Die Software hat ein Freemium-Modell (0-10 Euro/Monat) mit einem langen Testzeitraum – ich kann die Lösung uneingeschränkt empfehlen.

Der Entwickler Sebastian Reimers sitzt in Deutschland und reagiert schnell und freundlich auf Feedback – ich hatte Ton-Wiedergabeprobleme beim Verwenden meiner Bluetooth-Kopfhörer, die akutelle Beta-Verision bietet hier Abhilfe.

Für den Schnitt nutze ich dann Hindenburg Journalist Pro (ich habe mich noch nicht an Ultraschall herangewagt) – übrigens: jeweils im Februar zum World Radio Day gibt es die Pro-Version übrigens stark vergünstigt..

Studio-Link ist eines der Tools, die im Produktionsflow von deutschen Podcastern nicht mehr wegzudenken sind (ich werde die Tools vermutlich auch nochmal einzeln vorstellen): Schnitt/Aufnahme: Ultraschall/Reaper & Studio-Link (es gibt eine integrierte Lösung), Postprocessiong mit Auphonic, Publikation mit Podlove.

 Studio-Link

Squadcast

Der amerikanische Dienst Squadcast (Affiliate-Link) bietet ebenfalls eine nahezu Sorglos-Lösung zum Aufzeichen von entfernten Gesprächen in Einzelspuren an. Im Gegensatz zu Studio-Link gibt es im Interface auch eine Videofunktion, eine Termin-Funktion, einen Green-Room und viele andere Elemente. Der Dienst ist in den USA recht verbreitet. Die Preise beginnen bei Monatsgebühren von 9 bis 38 USD pro Monat. Übrigens ist Squadcast auch das Tool der Wahl für den Hamburger Next Media Accellerator. Für mich ist das ausschließende Kriterium, dass es keine Möglichkeit gibt, über iOS-Geräte im Browser mitzumachen, es gibt auch keine App dazu. (Das liegt an Apple, nicht an den Anbietern.)

Zencastr

Ebenfalls sehr intuitiv bedienbar und mit einem tollen Systemumfang ist Zencastr – aktuell zu Corona-Zeiten preislich sehr attraktiv, denn die Aufnahmezeit und Anzahl der Gäste sind derzeit aufgehoben, sodass das kostenlose Modell für den einen oder anderen attraktiv sein kann. Für 20 Dollar pro Monat bzw. auch einzeln in Kontingenten dazukaufbar gibt es eine ziemlich gute automatische Posproduktion. Für mich ist das ausschließende Kriterium, dass es keine Möglichkeit gibt, über iOS-Geräte im Browser mitzumachen, es gibt auch keine App dazu. (Das liegt an Apple, nicht an den Anbietern.)

Anchor.FM

Eher an Hobbyisten richtet sich Anchor.fm – ein Publikationsdienst von Spotify. Der Dienst ist komplett kostenfrei und übernimmt neben der Aufzeichnung von Gesprächen auch eine Distribution der Inhalte an alle gängigen Podcast-Verzeichnisse (natürlich als erstes Spotify). Interessant hierbei: In der mobilen Version kann Anchor mehr als in der Desktop-Browser-Ansicht und es gibt für iOS und Android die Möglichkeit, als Gast mitzumachen. Als kleiner Hack: Wenn man als Einladender vom Handy aus ein Gespräch beginnt, ist eine Teilnahme auch vom Desktop-Browser möglich. Nachteil: Die Aufzeichnung erfolgt nur auf einer Spur, fällt für mich daher raus – aber: Zur Distribution eines schnellen Podcasts ohne große Kosten wie für Podigee und co ist das Ding Bombe.

Skype Recorder

Beliebt ist auch die Aufzeichnung von Anrufen mit Skype – ich habe dafür den Call Recorder von ecamm genutzt – allerdings ist der teuer und mit Skype verliert man durch die Kompression viel an Audio-Qualität – ich würde hiervon abraten.

Zoom, Microsoft Teams

Für Video-Aufzeichnungen finde ich Zoom super, aber wenn ich primär guten Ton haben will, ist mir der Qualitäts-Unterschied von remote- zu lokalem Ton zu groß. Und bei Microsoft Teams habe ich neulich ein interessantes Rechte-Problem miterlebt: Abhängig vom Paket ist ein Teilen der Aufnahmen mit Dritten nicht oder nur schwer möglich.

WhatsApp

Für die Seriensprechstunde haben wir häufig Sprachnachrichten unserer Nutzer, die einfach über WhatsApp aufzeichnen, das ist ein gangbarer Weg für On-Demand-Inhalte, zumal die allermeisten Nutzer wissen, wie so etwas geht und fast alle auch schon mal so eine Aufzeichnung gemacht haben.

Voice Recorder Pro

Die professionellere Aufzeichnung von Nachrichten mit dem Telefon erledigt der Voice Recorder Pro (iOS/Android) zuverlässig – einige Kollegen nutzen diese Software auch für die Aufzeichnung von Nachvertonungen von Fernsehbeiträgen.

MuPro/Lucie Live

Die ARD arbeitet für Podcasts und Live-Interviews ohne Ü-Wagen mit einer für die Landesrundfunkanstalten lizensierten Lösung, die Studio-Link ähnlich zu sein scheint. Die ARD-App heißt MuPro (iOS/Android) und fußt auf der Lösung Lucie Live – für Einzelkämpfer aber vermutlich in den allermeisten Fällen viel zu teuer..

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